Die spätkeltische Viereckeschanze von Erbach erscheint als „Römerschanze“ erstmals gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf einer archäologischen Karte. Umgeben von einer Wall-Graben-Konstruktion drängten sich den damaligen Entdeckern dieser Anlagen Vergleiche mit römischen militärischen Plätzen auf. Im Zuge von systematischen archäologischen Untersuchungen kamen und kommen noch immer neue unbekannte Details zu Tage, die sowohl eine Interpretation als reine Siedlungsgehöfte als auch als Kultanlagen zulassen. Durch entsprechende Funde lassen sich diese Fundplätze in die letzten drei vorchristlichen Jahrhunderte datieren und stellen damit eine Siedlungsform der spätkeltischen Bevölkerung Süddeutschlands dar.
Die Wall-Grabenanlage
Die obertägig sichtbaren Teile der Wall-Grabenanlage von Erbach umschließen ungefähr ein Trapez. Der noch zwei Meter hohe Wall fällt nach innen wenig und nach außen kräftig geböscht in den umlaufenden Graben ab. Das Innenniveau der Anlage ist im Vergleich mit dem umliegenden Bereich deutlich überhöht. Ungefähr in der Mitte des südlichen und westlichen Wallabschnittes befindet sich jeweils eine Lücke in der Wallkrone. An einer der beiden dürfte der antike Zugang in Form eines Tores gelegen haben.
Innenbebauung

Über die Innenbebauung der Viereckschanze von Erbach sind keine Details bekannt. Die Bebauung süddeutscher Keltenschanzen innerhalb der Wall- und Grabenbefestigung ist aber meist auf wenige Bautypen beschränkt gewesen. Quadratische Postenbauten, die durch ihre Konstruktion Parallelen zu gallo-römischen Umgangstempeln aufweisen, und große rechteckige Gebäude mit bis zu 20 Metern Länge sind hier zu nennen. Für die Wasserversorgung befinden sich als Brunnen zu interpretierende Schächte oft innerhalb der umwehrten Flächen (siehe Abbildung).
In diesem Waldgebiet gelegen, blieb die Erbacher Keltenschanze von landwirtschaftlichen Eingriffen durch den Pflug verschont und beeindruckt noch heute durch ihre hervorragende Erhaltung. Sie ist seit 1976 als Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung gem. § 12 DSchG in das Denkmalbuch eingetragen. Die Anlage befindet sich auf Grundstücken des Freiherrn von Ulm-Erbach und liegt innerhalb der Stadtgrenzen der Stadt Erbach.
Die Keltenschanze gab übrigens auch einem der städtischen Rundwanderweg seinen Namen - der "Bacher Schanzenrunde". Machen sie doch bei Ihrer nächsten Wanderung durch den Bacher Wald mal einen kleinen Abstecher.